Viele Menschen beschweren sich, dass auch sehr reiche Menschen für ihre Kinder Kindergeld bekommen, denn schließlich sei das eine Sozialleistung, die reiche Menschen nicht nötig hätten. Dabei machen die Kritiker aber einen entscheidenden Denkfehler.

Um zu verstehen, weshalb reiche Menschen eben nicht vom Kindergeld profitieren, muss man sich vor Augen führen, wie Umverteilung von „oben“ nach „unten“ prinzipiell funktioniert. Da gibt es zum einen die Möglichkeit, dass jeder gleich viel in einen Topf einzahlt und die Ärmeren oder Bedürftigen bekommen dann mehr Geld aus dem Topf als reichere Menschen, die ab einer gewissen Einkommensgrenze vielleicht überhaupt nichts mehr bekommen. In dem Fall ist sofort ersichtlich, dass ein Umverteilung von wohlhabenderen Menschen zu ärmeren Menschen stattfindet. Es gibt aber noch eine zweite Methode von Umverteilung und die ist viel mehr verbreitet: Alle bekommen die selben Leistungen, aber zahlen dafür je nach Einkommen unterschiedlich hohe Steuern oder Abgaben. Der Wohlhabende zahlt sehr viel, während Ärmere sehr wenig oder sogar gar nichts bezahlen müssen. Genau so funktionieren zum Beispiel unser Steuersystem oder das System der gesetzlichen Krankenkassen.

In Deutschland wird das Kindergeld aus Steuermitteln bezahlt. Die Steuereinnahmen von Bund und Ländern betragen etwa 570 Milliarden Euro pro Jahr und immerhin 40 Milliarden Euro pro Jahr gibt der Staat dann wieder als Kindergeld aus. Das sind etwa 7% aller Steuereinnahmen. Dadurch kann man sehr genau ausrechnen, bis zu welcher Steuerlast man unter dem Strich vom Kindergeld profitiert: Nämlich dann, wenn es mehr ist als 7% der eigenen Steuerlast. Wie viel das ist, hängt von der Anzahl der Kinder ab. Für das erste Kind bekommt man 192 Euro Kindergeld im Monat. Ab einer Steuerlast knapp 33.000 Euro pro Jahr machen die 7% der Steuer dann schon mehr Geld aus als durchs Kindergeld für das eine Kind wieder reinkommt. Ab knapp 66.000 Euro Steuern pro Jahr ist auch das Kindergeld für das zweite Kind vollständig von den Steuern wieder aufgefressen. Ab knapp 100.000 Euro zahlt man mit drei Kindern drauf und ab und ab 138.000 Euro kostet einen auch das Kindergeld für das vierte Kind mehr Geld als man ausgezahlt bekommt.

Damit sieht man, dass alle Vorwürfe, der Staat würde mit Kindergeld Reiche subventionieren, unwahr sind: Der Reiche bekommt zwar Kindergeld, zahlt aber über seine Steuern mehr als er an Kindergeld ausgezahlt bekommt.

Genau nach dem selben Prinzip funktionieren viele Subventionen des Staates. Dadurch, dass Reiche trotz zahlreicher Steuertricks in absoluten Summen immer noch mehr Steuern zahlen als Arme, machen sie bei Subventionen, die für alle Bürger gleich hoch sind (zum Beispiel der „Abwrackprämie“ oder subventionierten Eintrittspreisen in Schwimmbädern, Museen oder Theatern) in der Regel unterm Strich einen Verlust.

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