China ist ein riesiges Land und hatte einmal fünf verschiedene Zeitzonen. So viele waren nötig, wenn man sicherstellen wollte, dass die Sonne überall ungefähr am Mittag an ihrem höchsten Punkt steht. Seit 1949 gibt es in China jedoch nur noch eine einzige Zeitzone. Überall gilt nun die Zeit der Hauptstadt Peking. Im ersten Moment könnte man denken, dass das ziemliche Probleme verursachen könnte, denn nun wird es im Westen Chinas plötzlich sehr spät hell, die Sonne erreicht erst am späten Nachmittag ihren Höchststand und Sonnenuntergänge finden im Sommer schon mal um Mitternacht statt. Allerdings ist eine Zeitzone nichts weiter als eine Art von Koordinatensystem, das man auch problemlos verschieben kann, ohne damit die Welt zu ändern. Man kann es mit den Längengraden der Erde vergleichen. Historisch begründet geht der Nullmeridian nun einmal durch London. Er könnte aber auch durch Moskau oder durch Buxtehude gehen. Trotzdem würde noch jedes GPS-System funktionieren, wenn es über diese Information verfügt. Genauso ist es egal, wie hoch das Gewicht eines Kilos oder die Länge eines Meters ist. Wenn man sich einmal darauf geeinigt hat, kann man damit rechnen. Bei Geldwährungen sieht man auch, dass es im Prinzip egal ist, wie viel eine Währungseinheit nun genau Wert ist, denn die Einkommen und Preise sind ja diesem Wert entsprechend angepasst. Genau so ist das im Prinzip auch mit Zeitzonen: Wann die Menschen tatsächlich aufstehen, zur Arbeit gehen oder Mittag essen, müssen sich nicht nach der durch die Zeitzone vorgegebenen Uhrzeit richten. Wenn es im Westen tatsächlich vier Stunden später hell wird als im Osten, ist 11 Uhr für die Menschen im Westen dann eben das, was 7 Uhr für die Menschen im Osten ist. Die Menschen im Osten arbeiten dann eben nicht von 8 bis 17 Uhr, sondern von 12 bis 21 Uhr. Mittag gibt es dann eben nicht um 12, sondern um 16 Uhr und statt um 22 Uhr gehen sie um 2 Uhr nachts schlafen. Wenn wir uns jemanden vorstellen, der oft in verschiedenen Ecken Chinas zu tun hat, stellt sich die Frage, was für ihn einfacher wäre: Ständig seine Uhr umzustellen, damit er seinen Alltagsgewohnheiten immer etwa zur selben Uhrzeit nachgehen kann, oder die Uhr nicht umstellen zu müssen und stattdessen nach Breitengrad oder Sonnenstand zu entscheiden, wann nun Mittagszeit ist. Ich bin mir nicht sicher, ob mehrere Zeitzonen in einem Land wie Russland oder den USA wirklich von Vorteil sind. Ein Problem tritt nämlich für die Menschen auf, die nahe einer Zeitzonengrenze wohnen und sie vielleicht sogar täglich auf dem Weg zur Arbeit überqueren müssen. Diese Menschen müssen dann ständig zwischen den Zeitzonen hin- und her rechnen, obwohl Sonne auf beiden Seiten fast gleichzeitig ihren Höchststand erreicht. In einem Land mit nur einer Zeitzone gibt es diese harten Sprünge jedoch nicht. Wenn man dort 50 Kilometer nach Westen oder Osten fährt, ändert sich der Zeitpunkt des Höchststandes der Sonne kaum. Fährt man hingegen 500 Kilometer weit, merkt man den Unterschied schon deutlich und kann dann selbst entscheiden, ob man nun als Konsequenz daraus 20 Minuten früher oder später Mittag isst.

Kompliziert wird es bei einer einzigen Zeitzone jedoch, wenn es Gesetze gibt, die sich auf eine bestimmte Uhrzeit beziehen. Zum Beispiel „Kein Rasenmähen ab 20 Uhr“. Dann braucht man bei einer einzigen Zeitzone dann doch leider wieder verschiedene Zonen, in denen die Gesetze dann eben zu verschiedenen Uhrzeiten gelten.

Ich bin auf das Thema nur gekommen, weil mir öfters auffällt, wie oft Menschen ein Koordinatensystem für die eigentliche Wirklichkeit halten. Wenn auf einer Karte Norden nicht oben und Süden unten ist, meckern viele Menschen, die Karte sei fehlerhaft oder stünde sogar „auf dem Kopf“. Dabei ist die Verbindung von „Norden“ und „oben“ vollkommen willkürlich. Das Bild der Welt wird dadurch ziemlich verfälscht. Wenn jemand sagt „Da unten in Spanien ist es im Sommer sehr warm“, denkt er leider häufig, Spanien läge wirklich weiter „unten“ als Deutschland. Damit ist er Opfer des Koordinatensystems geworden. Es ist eigentlich auch ziemlich absurd, den Jahreswechsel zu feiern, denn unser Kalender ist auch wieder so ein willkürliches Koordinatensystem. Die Länge eines Jahres wird zwar durch die Umlaufzeit der Erde um die Sonne vorgegeben, der Anfangspunkt eines Jahres jedoch nicht und auch nicht die Regeln für die Schaltjahre. Im Jüdischen Kalender ist ein Jahr im Durchschnitt genau so lang wie im Gregorianischen Kalender. Jedoch sind „reguläre Jahre“ (also die meisten Jahre) im jüdischen Kalender 354 Tage lang. Etwa jedes dritte Jahr ist einen weiteren Tag länger und zusätzlich jeweils sieben von neunzehn Jahren einen weiteren kompletten Monat. Der Jahreswechsel findet im Herbst statt. Daran sieht man, wie willkürlich unser Neujahr festgelegt wurde.

Selbst beim Einkaufen richten sich die Deutschen nach willkürlich festgelegten Werten. Sie lassen sich beim Schlachter 200 Gramm Leberwurst abwiegen und nicht etwa 182 oder 213 Gramm. Es wäre schon ein ziemlicher Zufall, wenn 200 Gramm wirklich gerade die richtige Menge wären. Kaum jemand traut sich jedoch, eine krumme Zahl zu nennen, weil er befürchtet, er würde dann schräg angeschaut. Dabei würde der Schlachter wirklich sehr viel lieber 213 Gramm verkaufen als nur 200 Gramm.

Ich schweife gerade schon wieder ab und merke, dass ich das Thema in einem späteren Blogpost noch einmal etwas vertiefen sollte. Dann werde ich erklären, dass es unsinnig ist, sich zu „runden“ Uhrzeiten zu verabreden.

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