Jedes Jahr wird den Fans von Feuerwerk vorgerechnet, wie viel Geld die Deutschen mal wieder für das Feuerwerk an Neujahr ausgeben. Dieses Jahr sollen es etwa 137 Millionen Euro sein. Angeblich sei das eine totale Verschwendung und man könnte damit ja so viel Sinnvolles tun, wenn man es nicht für Feuerwerk ausgeben würde.

Setzt man die 137 Millionen Euro jedoch ins Verhältnis zur Bevölkerungszahl, kommt man auf nicht mal zwei Euro pro Kopf. Selbst wenn man Minderjährige abzieht, weil sie kein Feuerwerk abbrennen dürfen, kommt man immer noch auf weniger als drei Euro pro Kopf und Jahr. Zum Vergleich: Für Tabakwaren gibt der durchschnittliche Deutsche (nicht etwa der durchschnittliche Raucher) etwa 250 Euro pro Jahr aus. Dazu kommen 50 Euro pro Jahr für hochprozentigen Alkohol und gut 40 Euro für Kaffee. Lotto lassen wir uns im Schnitt mehr als 60 Euro pro Jahr kosten. 164 Euro gibt der Durchschnittsdeutsche pro Jahr für Kosmetik- und Pflegeprodukte aus. 474 Euro pro Kopf und Jahr für Medikamente, die nicht immer unbedingt sinnvoll sind. Wer eine Wohnung besitzt, zahlt 210 Euro pro Jahr für Rundfunkgebühren, auch wenn er weder ein Radio noch einen Fernseher besitzt. Ein Auto kostet mehrere tausende Euro pro Jahr. 400 Euro pro Jahr investiert der Deutsche für Einrichtungsgegenstände, auch wenn die alten Möbel noch in Ordnung sind.

Die Liste der Ausgaben eines Durchschnittsdeutschen ist lang. Wieso sollen also gerade die zwei Euro für Feuerwerk Verschwendung sein? Ich mache mal eine andere Rechnung auf: 137 Millionen Euro sind gerade mal das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands von 23 Minuten. Würden wir diese 137 Millionen tatsächlich in Bargeld abheben und dann die Geldscheine verbrennen, wäre das gerade mal das in 23 Minuten erwirtschaftete Geld.

In der Realität werden aber eben nicht die Geldscheine verbrannt, sondern das Feuerwerk, das für das Geld gekauft wurde. Das Geld hingegen landet beim Händler und der wiederum gibt das meiste davon weiter an die Verkäufer, die Hersteller des Feuerwerks und den Staat in Form von Steuern. Es bleibt also zum großen Teil im Wirtschaftskreislauf. Würden wir diese 137 Millionen Euro nicht ausgeben, würde das Geld genau dort fehlen. In Feuerwerksfabriken würden viele Menschen arbeitslos. Verkäufer bräuchte man am Ende des Jahre auch weniger und dem Staat würden auch die Steuern fehlen, die er sich dann woanders holen müsste.

Der größte Unfug ist die Aktion „Brot statt Böller“. Wenn man fordert, dass das Geld, das für Feuerwerk ausgegeben wird, doch lieber an hungernde Menschen gespendet werden sollte, folgt daraus doch, dass man desto mehr spenden müsste, je mehr man für Feuerwerk ausgegeben hätte. Diese Zusammenhang ist aber vollkommen aus der Luft gegriffen. Wer sowieso kein Geld für Feuerwerk ausgegeben hätte, müsste dann auch nicht spenden. Bis jetzt ist mir auch keine Studie bekannt, die besagt, dass es einen negativen Zusammenhang zwischen Ausgaben für Feuerwerk und Spenden gibt. Anders ausgedrückt: Wenn überhaupt nicht klar ist, ob Feuerwerkskäufer weniger Geld spenden als Feuerwerksmuffel, gibt es keinen Grund, weshalb gerade sie noch mehr spenden sollten.