Bei Instagram gilt es als „cool“, wenn man eine hohe „Follower Ratio“ besitzt. Das heißt, dass das Quotient aus der Anzahl der Menschen, die einem folgen, und der Anzahl der Menschen, denen man folgt (auch „Followings“ genannnt), hoch ist. Damit soll man zeigen können, dass man interessant ist, denn es folgen einem dann auch Menschen, denen man selbst nicht folgt. In einigen Ratgebern liest man, die Follower Ratio solle möglichst 3 betragen, aber bei sehr bekannten Accounts kann sie auch schon mal 100, 1000 oder 10.000 betragen.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Instagram ist ein geschlossenes System mit zwar sehr vielen, aber eben doch endlich vielen Mitgliedern, von denen jeder folglich auch endlich viele Follower hat und selbst endlich vielen anderen Mitgliedern folgt. Daraus folgt zwangsläufig, dass die Gesamtzahl aller Follower exakt genau so groß ist wie die Gesamtzahl aller Followings. Wenn es also bei einem Account mehr Follower als Followings gibt, muss diese Differenz zwangsläufig von anderen Accounts ausgeglichen werden. Es muss dann auch Accounts mit mehr Followings als Followern geben.

Wenn eine hoher Follower Ratio also wirklich Coolness bedeuten sollen, werden, wenn jemand cooler wird, automatisch andere Menschen weniger cool. Das Prinzip wird besonders absurd, wenn jemand eine niedrige Follower Ratio hat und dann die Anzahl der Followings reduziert, um die Follower Ratio zu steigern. Hatte er zum Beispiel vorher 1000 Follower und auch 1000 Followings, betrug die Follower Ratio exakt 1. Entfolgt er dann 900 Accounts (Steht „entfolgen“ eigentlich mit Dativ oder mit Akkusativ?), steigt seine Follower Ratio plötzlich auf 10, obwohl das Entfolgen ja im Prinzip etwas ist, dass jeder tun kann, ohne „cool“ zu sein. Gleichzeitig sinkt bei jeden 900 Accounts die Follower Ratio dann leicht. Wenn ihnen das öfter passiert, könnten sie irgendwann selbst auf die Idee kommen, die Anzahl ihrer Followings zu senken. Dadurch sinkt wieder die Follower Ratio bei weiteren Accounts.

Das ganze System von Instagram (und auch Twitter) kann nur funktonieren, solange es genügend Menschen gibt, denen ihre Follower Ratio vollkommen egal ist. Würden alle Mitglieder morgen auf die Idee kommen, die Anzahl ihrer Followings zu halbieren, würde jeder Account im Schnitt auch die Hälfte seiner Follower verlieren. So eine Art Instagram-Egoismus funktioniert also nur, solange nur eine kleiner Teil der Mitglieder danach handelt.

Versteht mich nicht falsch! Niemand muss sich für eine hohe Follower Ratio schämen. Meine eigene beträgt zur Zeit gut 653. Jeder sollte wirklich nur den Accounts folgen, die ihn interessieren, und das sind eben manchmal nicht sehr viele. Man sollte niemals mehr Accounts folgen, als einen interessieren, aber eben auch nicht weniger.

instaego