Es gab mal eine Fernsehwerbung, in der ein Mann mit seiner Frau essen geht. Er bestellt unter den verdutzten Augen seiner Frau für sich das zweitbeste Steak und für seine Frau den zweitbesten Fisch. Der Spot suggeriert, man solle sich nicht mit dem Zweitbesten zufrieden geben. Ist das aber wirklich ein guter Rat?

Das hängt tatsächlich von der Preisdifferenz zwischen dem Besten und dem Zweitbesten ab. Manchmal ist das Beste ja sogar billiger als das Zweitbeste. In der Regel steuern jedoch Angebot und Nachfrage den Preis und wenn sich ein Großteil der Menschen darüber einig ist, was genau das Beste ist, schlägt sich das unter Umständen enorm im Preis nieder. Das liegt daran, dass der Preis der wichtigste Grund ist, überhaupt das Zweitbeste dem Besten vorzuziehen.

Bedenken muss man dabei, dass Menschen unterschiedlich viel Geld haben und daher dem Preis auch eine unterschiedlich hohe Beachtung schenken (müssen). Die meisten Menschen werden deshalb also einen Kompromiss aus Qualität und Preis eines Produktes finden, der individuell davon abhängt, wie viel Wert für sie das Geld hat und wie sinnvoll sie einen Euro stattdessen woanders ausgeben könnten. Daher gibt es für alle Produkte verschiedene Preisklassen und in jenen Preisklassen sind die Preise automatisch durch die Preise höherwertiger Produkte beschränkt. Niemand wird ein Produkt kaufen, wenn er für den selben Preis oder unwesentlich mehr Geld ein besseres Produkt bekommt. Dieses Prinzip funktioniert jedoch nur bis in die zweithöchste Preisklasse hinein. Bei den besten Produkten, die keine Konkurrenz von oben haben, gibt es keine natürliche Preisbeschränkung, aber trotzdem noch unterschiedliche Vorstellungen der potentiellen Käufer, wie viel Geld so ein Produkt wert ist. Einige Menschen würden das beste Produkt höchstens kaufen, wenn es vielleicht 10% mehr kostet als das Zweitbeste, andere Menschen hingegen sind bereit, dass Zehnfache auszugeben, um das Beste vom Besten zu besitzen. Manche Menschen wollen sogar, dass ein Produkt sehr teuer ist, damit sie etwas Besonderes besitzen, das sich kaum jemand leisten kann.

Der Hersteller steht nun vor einem Problem: Bei welchem Preis wird sein Gewinn maximal? Setzt er den Preis eher niedrig an, verkauft er eine höhere Stückzahl, macht aber pro Stück sehr wenig Gewinn. Käufer, die jedoch fast jeden Preis bezahlen, werden den Hersteller dazu veranlassen, eher auf eine kleine Stückzahl und einen hohen Gewinn pro Stück zu setzen. Unter dem Strich könnte dadurch mehr Gewinn hängenbleiben. Das Prinzip führt dazu, dass sich das jeweils beste Produkt seiner Art für Menschen, die zwischen Qualität und Preis abwägen müssen, weil sie nicht über nahezu unbegrenzte finanzielle Mittel verfügen, rational nicht rechnet. Man könnte auch sagen: Man bekommt bei besten Produkt in der Regel sehr wenig für sein Geld, weil es keinen Preisdruck durch noch bessere Produkte gibt.

Im Alltag fällt das an vielen Stellen auf. Die besten Smartphones, die besten Autos oder die besten Hotelsuiten kosten in der Regel signifikant mehr als die jeweils zweitbesten. Selbst der beste Fußballspieler kostet sehr viel mehr Ablöse als der zweitbeste. Die Wohnung im obersten Stockwerk eines Hochhauses kostet in der Regel mehr als doppelt so viel wie eine baugleiche Wohnung nur ein Stockwerk tiefer.

Im Umkehrschluss kann man also sehr viel Geld sparen, indem man sich in der Regel für das Zweitbeste entscheidet. Wenn man um Beispiel anschaut, wie hoch die Preise in den teuersten Hotels einer Stadt sind, kann in der Regel für ein Drittel des Preises ein Hotel finden, dass schon zu 80% an das teuerste Hotels heranreicht. Die letzten 20% sind es, die die anderen zwei Drittel des Preises des teuersten Hotels ausmachen. Für die Hälfte des Preises des teuerste Smartphones bekommt man in der Regel ein Gerät, dass kaum Wünsche offen lässt. Man muss sich klar machen, dass der zweitschnellste Sprinter bei den Olympischen Spielen immer noch ein sehr schneller Mann ist, obwohl er dafür „nur“ Silber bekommt und kaum für seinen zweiten Platz gefeiert wird. Die zweitschönste Frau sieht schon wirklich sehr gut aus. Genau so ist es mit Produkten. Das Zweitbeste ist eben schon ziemlich gut. Besser als alles Andere – abgesehen vom Besten. Wenn jemand mit dem zweitbesten Photoapparat keine guten Bilder hinbekommt, liegt das sicher nicht am Photoapparat. Wenn das zweitbeste Steak in einem Restaurant nicht schmeckt, sollte man zukünftig ein anderes Restaurant wählen.

Versteht mich nicht falsch, ich will nicht propagieren, an allen Ecken zu sparen und immer zu dem Billigsten zu greifen. Das wäre genau so falsch. Es sollte aber in der Regel nicht das Beste sein, sondern eben das Zweitbeste. Das macht das Leben enorm viel billiger. Unsinnig Geld zu verpulvern, sollte man denjenigen Menschen überlassen, die der Meinung sind, sich das leisten zu können.

zweitbestessteak