Wenn ich mir doch mal eine dieser schrecklichen Spendengalas im Fernsehen anschaue – einfach aus Lust am Grauen – sehe ich immer wieder Großspender, die am Ende mit ihre Spende die krumme Spendensumme aufrunden. Aus 2.879.649 Euro werden dann zum Beispiel drei Millionen. Im Prinzip ist es ja erst einmal positiv, dass da ein Einzelner 120.351 Euro spendet. Das Problem liegt aber in der Korrelation zwischen seiner Spende und den restlichen Spenden. Je mehr die anderen spenden, desto weniger spendet der Großspender. Wenn Oma Else also sich entschließt, von ihrer Rente 50 Euro zusammenzukratzen und zu spenden, kommt kein einziger Euro zusätzlich im Spendentopf an. Sie entlastet lediglich den Großspender um 50 Euro. Der hätte ohne die Spende von Oma Else eben 120.401 Euro gezahlt. Wenn jemand schon viele solcher Spendengalas gesehen hat und weiß, dass am Ende oft jemand aufrundet, könnte ihn das komplett vom Spenden abhalten und dann hat niemand etwas gewonnen.

Wenn jemand wirklich vorhat, eine sechsstellige Summe zu spenden, sollte er taktisch besser so vorgehen, dass er andere Spender sogar noch motiviert, mehr zu spenden. Er könnte zum Beispiel gleich am Anfang der Sendung versprechen, dass er bis zu einer gewissen Spendensumme X für jeden gespendeten Euro weitere zehn Cent (oder wie viel auch immer) aus eigener Tasche drauflegt. Somit wüsste jeder potentielle Spender vor dem Fernseher, dass eine Spende von 50 Euro nun 55 Euro Wert ist. Das ist das gleiche Prinzip wie bei der Förderung der Dämmung von Häusern. Da gibt der Staat bis zu einer gewissen Summe zum Beispiel 20% dazu.

Eine anderes recht irrationales Verhalten ist diese Bevorzugung runder Spendensummen. Welchen Vorteil soll eine runde Spendensumme gegenüber einer krummen haben? Es ist doch eigentlich ganz einfach: Die Spendensumme ist umso besser, je höher sie ist. Drei Millionen sind zwar besser als 2.978.739, aber schlechter als 3.032.483. Wieso sollte man also ein Spendensumme aufrunden? Die gleiche Frage stellt sich mir zum Beispiel bei Gehaltsverhandlungen. Warum nennen Arbeitnehmer bei ihren Gehaltsvorstellungen in der Regel runde Summen? Warum verlangt man 30.000 Euro pro Jahr und nicht 30.271? Das wären immerhin 271 Euro mehr pro Jahr. Verzichtet man darauf, nur um eine runde Summe ausgezahlt zu bekommen? Spätestens nach dem Begleichen der ersten Rechnung ist sie sowieso wieder krumm.

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